Fremdkapital ist kein Makel: Warum Liquidität über Ihre Handlungsfähigkeit entscheidet

"Wer eine Finanzierung braucht, hat seine Finanzen nicht im Griff."

09. 10 2026

9 Min. Lezeit

Dieser Artikel macht drei Dinge:

  • Er zeigt, warum Fremdkapital kein Makel und nicht automatisch ein Zeichen finanzieller Schwäche ist - entscheidend ist, wie und wofür es eingesetzt wird.
  • Er erklärt, warum Liquidität und Profitabilität nicht dasselbe sind und weshalb auch wirtschaftlich gesunde Betriebe kurzfristigen Finanzierungsbedarf haben können.
  • Er zeigt, wie Fremdkapital gezielt eingesetzt werden kann, um Liquiditätslücken zu überbrücken, Rücklagen verfügbar zu halten und unternehmerischen Handlungsspielraum zu sichern.

Zusammenfassung

Fremdkapital ist kein Makel

Fremdkapital bedeutet nicht automatisch, dass ein Betrieb wirtschaftlich schlecht dasteht. Entscheidend ist nicht allein, ob ein Betrieb Fremdkapital nutzt, sondern wofür, in welcher Höhe und mit welchem Zweck.

Liquidität ist nicht dasselbe wie Profitabilität

Ein profitabler Betrieb kann trotzdem kurzfristig Liquidität benötigen. Gerade in der Landwirtschaft fallen Ausgaben für Betriebsmittel häufig an, bevor die entsprechenden Einnahmen entstehen. Eine Liquiditätslücke ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Wirtschaftlichkeit.

Fremdkapital kann Handlungsspielraum schaffen

Gezielt eingesetzt kann Fremdkapital helfen, solche zeitlichen Lücken zu überbrücken und eigene Rücklagen verfügbar zu halten. Dadurch können Entscheidungen stärker danach getroffen werden, wann sie wirtschaftlich sinnvoll sind, statt nur danach, wann gerade Liquidität vorhanden ist.

Fremdkapital ist damit weder grundsätzlich gut noch schlecht. Es ist ein Werkzeug – entscheidend ist, wie es eingesetzt wird.

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Geschwindigkeit:

Fremdkapital klingt schnell nach Abhängigkeit

Eine Finanzierung klingt schnell nach Abhängigkeit. und nach einer zusätzlichen Verpflichtung für den Betrieb.Vielleicht sogar danach, bei jemand anderem um Unterstützung bitten zu müssen, bevor eine unternehmerischeEntscheidung getroffen werden kann.

Diese Skepsis ist nachvollziehbar. Auf vielen Höfen ist finanzielle Unabhängigkeit eng mit Verantwortung, Familienvermögen und dem verbunden, was über Generationen aufgebaut wurde.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Finanzierung jedoch zunächst eine Form von Fremdkapital. Und Fremdkapital muss inder wirtschaftlichen Realität deutlich differenzierter betrachtet werden.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wies eindurchschnittlicher deutscher Haupterwerbsbetrieb im Wirtschaftsjahr 2024/25 Verbindlichkeiten in Höhe von 253.836Euro aus. Dem standen durchschnittliche Vermögenswerte von 1.160.095 Euro gegenüber.1

Fremdfinanzierung in der Bilanz ist in der deutschen Landwirtschaft also keineswegs eine Ausnahme.

Noch wichtiger: Das BMLEH weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die finanzielle Stabilität eines Betriebs nicht alleinanhand der absoluten Höhe seiner Verbindlichkeiten beurteilen lässt. Entscheidend sind unter anderem auch Kapitaldienstfähigkeit, Eigenkapital und dessen Entwicklung.

Damit verändert sich die entscheidende Frage.

Sie lautet nicht einfach:

"Spricht die Nutzung einer Finanzierung für eine schlechte finanzielle Stabilität des Betriebs?“

Sondern vielmehr:

"Wofür wird die Finanzierung eingesetzt und passen Struktur, Laufzeit und Rückzahlung zum Zahlungsstrom und zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Betriebs?"

Die Nutzung einer Finanzierung allein sagt noch nichts darüber aus, ob ein Betrieb finanziell stabil oder schlecht aufgestellt ist. Entscheidend ist, wie sie sich in die gesamte finanzielle Situation des Betriebs einfügt.

Gerade in der Landwirtschaft ist diese Unterscheidung wichtig. Denn Einnahmen und Ausgaben fallen häufig nicht zumselben Zeitpunkt an.

Dünger, Saatgut, Pflanzenschutzmittel, Diesel, Pacht, Reparaturen oder Personalkosten müssen teilweise Monate bezahlt werden, bevor die entsprechenden Erlöse auf dem Betriebskonto eingehen.

Ein wirtschaftlich gesunder Betrieb kann deshalb zeitweise mehr Liquidität benötigen, als aktuell frei verfügbar ist.

Das ist nicht automatisch ein Zeichen finanzieller Schwäche sondern eine Frage des Zeitpunkts.

Und genau dieser Zeitpunkt entscheidet darüber, wie viel Handlungsspielraum ein Betrieb hat.

Warum Fremdkapital trotzdem oft ein ungutesGefühl auslöst

Die Skepsis gegenüber Finanzierungen kommt nicht von ungefähr.

Klassische Agrarfinanzierungen werden häufig mit umfangreichen Unterlagen, Sicherheiten, Bankterminen undlangfristigen Verpflichtungen verbunden.

Bei großen Investitionen kann das vollkommen angemessen sein.

Ein neuer Stall, der Kauf einer Fläche oder Maschine, die über viele Jahre genutzt wird, erfordern eine andere Finanzierungsstruktur als Saatgut oder Dünger, die innerhalb eines Produktionszyklus eingesetzt werden.

Problematisch wird es, wenn unterschiedliche Finanzierungsbedarfe behandelt werden, als wären sie identisch.

Ein Betrieb, der für einige Monate zusätzliche Liquidität für Betriebsmittel benötigt, braucht nicht zwangsläufig dieselbeStruktur wie ein Betrieb, der eine langfristige Investition finanziert.

Langfristige Investition
Kurzfristiger Betriebsmittelbedarf

Deshalb ist nicht nur entscheidend, ob finanziert wird, sondern wie.

Die Vorstellung, Fremdkapital sei grundsätzlich ein Warnsignal, lässt diesen Unterschied häufig außer Acht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob eine Finanzierung genutzt wird. Entscheidend ist, ob sie zum jeweiligen Zweck und zum Zahlungsstrom des Betriebs passt und ob ihre Auswirkungen auf Eigenkapital, Eigenkapitalentwicklung und Kapitaldienstfähigkeit für den Betrieb wirtschaftlich tragbar bleiben.

Wann eine Finanzierung den betrieblichen Handlungsspielraum erweitern kann

Nehmen wir zwei wirtschaftlich solide Betriebe.

Beide erwarten nach der Ernte größere Zahlungseingänge, müssen jedoch Monate vorher erhebliche Ausgaben tragen.

Der eine Betrieb verfügt zu diesem Zeitpunkt über ausreichend freie Liquidität, der andere nicht.

Allein daraus lässt sich kaum ableiten, welcher Betrieb wirtschaftlich besser aufgestellt ist.

Bei einem kann mehr Kapital in anderen Vermögenswerten gebunden sein. Der andere hält vielleicht bewusst größere Liquiditätsreserven vor. Auch Investitionshistorie, Betriebsstruktur und Produktionszyklen können sich deutlich unterscheiden.

Ein strukturelles wirtschaftliches Problem sieht anders aus.

Wenn ein Betrieb dauerhaft mehr Mittel benötigt, als er erwirtschaftet, und kein realistischer Weg zurück zu einernachhaltigen Profitabilität besteht, löst eine zusätzliche Finanzierung das zugrunde liegende Problem nicht.

Eine zeitlich begrenzte Finanzierung kann einen Liquiditätsersatz überbrücken.

Sie kann kein dauerhaft unwirtschaftliches Geschäftsmodell wirtschaftlich machen.

Die Zahlen des BMLEH verdeutlichen, warum diese Unterscheidung wichtig ist.

Bei Betrieben, deren Verbindlichkeiten das Bilanzvermögen überstiegen, lag der durchschnittliche Gewinn 2024/25 bei 32.682 Euro. Über alle Haupterwerbsbetriebe hinweg waren es durchschnittlich 86.483 Euro.1

32.682 €

Ø Gewinn 2024/25

Betriebe, deren Verbindlichkeiten das Bilanzvermögenüberstiegen

86.483 €

Ø Gewinn 2024/25

Alle Haupterwerbsbetriebe insgesamt
‍

Das beweist nicht, dass die Verschuldung die Ursache für das schwächere Ergebnis war.

Es zeigt aber, warum die richtige Schlussfolgerung nicht lauten kann: Je mehr Fremdkapital, desto besser.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer:

Zusätzliche Liquidität kann ein sinnvolles betriebswirtschaftliches Instrument sein, wenn sie einem klaren Zweck dient, die Rückzahlungsstruktur zum Betrieb passt und die Verpflichtung tragbar bleibt.

1. Betriebsmittel kaufen, wenn der Zeitpunkt für den Betrieb passt

Bei vielen landwirtschaftlichen Einkäufen spielt der Zeitpunkt eine wichtige Rolle.

Dünger- und Dieselpreise verändern sich. Auch Einkaufskonditionen für andere Betriebsmittel können sich im Jahresverlauf verschieben.

Den perfekten Kaufzeitpunkt kann niemand verlässlich vorhersagen.

Ein Betrieb kann aber entscheiden, ob er über ausreichend Liquidität verfügen möchte, um handeln zu können, wennsich aus seiner Sicht eine interessante Gelegenheit ergibt.

Stellen Sie sich vor, Sie planen den Düngereinkauf für die kommende Saison.

Sie erhalten ein Angebot, das auf Basis der aktuell verfügbaren Informationen für Ihren Betrieb interessant erscheint.

Gleichzeitig wird die Pacht fällig oder eine Maschine muss unerwartet repariert werden. Weitere laufende Kosten stehen an.

Ist die freie Liquidität begrenzt, werden auch die Handlungsmöglichkeiten begrenzt.

Sie warten mit dem Einkauf, kaufen zunächst eine kleinere Menge oder greifen auf Reserven zurück, die eigentlichfür andere Situationen vorgesehen waren.

Zusätzliche Liquidität kann eine weitere Möglichkeit schaffen: Sie können stärker danach entscheiden, ob der Einkauffür Ihren Betrieb wirtschaftlich sinnvoll erscheint und weniger danach, wie hoch der Kontostand in genau dieser Wocheist.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass eine Finanzierung den Einkauf automatisch rentabel macht.

Der Unterschied liegt an einer anderen Stelle:

Liquidität entscheidet darüber, ob der Betrieb überhaupt eine Wahl hat.

„Eine passende Finanzierung kann den Zeitpunkt einer unternehmerischen Entscheidung vom nächsten Zahlungseingang entkoppeln.“

Damit dieser Handlungsspielraum während der Laufzeit erhalten bleibt, kommt es auch auf die Struktur der Finanzierung an. Wird der Darlehensbetrag nicht monatlich getilgt, sondern erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt, kann währenddessen mehr Liquidität im Betrieb verfügbar bleiben. Die Rückzahlung zum Laufzeitende sollte dabei vonAnfang an eingeplant werden.

Hier liegt ein möglicher Vorteil einer Finanzierung über die DAF: Je nach Finanzierungsangebot kann die Tilgung zumLaufzeitende erfolgen.

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Finanzierung und Investitionen gehören längst zum normalen Betriebsmanagement

Auch die BMLEH-Daten liefern dazu einen hilfreichen Kontext.

73.802€

Brutto-Investitionen

Durchschnittlicher Haupterwerbsbetrieb
imWirtschaftsjahr 2024/25

7.000€

Verbindlichkeiten gestiegen

Durchschnittlicher Anstieg der Verbindlichkeiten
imselben Zeitraum

Daraus lässt sich nicht ableiten, ob eine konkrete Finanzierungsentscheidung richtig oder falsch war.

Die Zahlen zeigen aber eines:

Investitionen, Vermögenswerte, Eigenkapital und Verbindlichkeiten existieren in wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betrieben nebeneinander.

Fremdkapital ist deshalb nicht automatisch ein Krisensignal.

Entscheidend ist, wie das Kapital strukturiert ist und welche Verpflichtungen daraus für den Betrieb entstehen.

2. Genug Eigenkapital zu haben bedeutet nicht, alles davon einsetzen zu müssen

Es gibt noch eine andere Situation, in der Liquiditätsmanagement relevant wird.

Vielleicht verfügt der Betrieb bereits über ausreichend eigene Mittel, um den nächsten Produktionszyklus vollständigzu finanzieren. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung damit klar: Wenn das Geld vorhanden ist, warum sollte dann finanziert werden?

Weil dabei zwei unterschiedliche Fragen miteinander vermischt werden:

„Kann ich diese Ausgabe aus eigenen Mitteln bezahlen?"

und

„Möchte ich genau hier einen großen Teil meiner verfügbaren Liquidität binden?"

Angenommen, Dünger, Saatgut, Diesel und andere Betriebskosten der kommenden Saison können vollständig aus der vorhandenen Liquidität bezahlt werden. Sobald diese Mittel eingesetzt sind, bleiben sie bis zu den späteren Erlösen im Produktionsprozess gebunden. In dieser Zeit stehen sie nicht für andere betriebliche Zwecke zur Verfügung, etwa fürunerwartete Reparaturen, zusätzlich verfügbare Flächen oder zusätzlichen Personalbedarf.

Wer einen großen Teil seiner frei verfügbaren Mittel auf diese Weise bindet, reduziert gleichzeitig seine Liquiditätsreserve für andere Situationen. Damit kann eine andere Form von Abhängigkeit entstehen: Ungeplante Ausgaben oder veränderte Marktpreise treffen auf weniger finanziellen Spielraum. Der Betrieb ist dann stärker daraufangewiesen, dass geplante Erlöse tatsächlich zum erwarteten Zeitpunkt und in der erwarteten Höhe eingehen.

Eigene Mittel zu schonen kann deshalb auch bedeuten, finanziellen Handlungsspielraum für Unvorhergesehenes zuerhalten. Ob eine Finanzierung dafür sinnvoll ist, hängt von ihren Kosten, der Rückzahlungsstruktur und derTragfähigkeit für den Betrieb ab.

Auch Eigenkapital muss geschützt werden

Finanzieller Handlungsspielraum darf nicht zum Argument dafür werden, zusätzliche Verpflichtungen einzugehen, ohne mögliche Risiken zu berücksichtigen.

Das BMLEH zeigt außerdem, dass Betriebe mit negativer Eigenkapitalentwicklung unter anderem durch steigende Verbindlichkeiten sowie schwächere oder negative Erfolgskennzahlen gekennzeichnet waren.

Das ist ein wichtiger Gegenpol in der Diskussion über zusätzliche Liquidität.

Eine Finanzierung sollte nicht aufgenommen werden, nur weil sie verfügbar ist.

Der Betrieb muss auch in der Lage sein, die daraus entstehenden Verpflichtungen aus seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seinem erwarteten Zahlungsstrom zu bedienen.

Das Ziel besteht weder darin, möglichst wenig Eigenkapital einzusetzen, noch darin, möglichst viel Fremdkapital aufzunehmen.

Es geht darum, betriebliche Handlungsfähigkeit zu erhalten, ohne die finanzielle Stabilität zu gefährden.

Warum der Zeitpunkt der Rückzahlung eine Rolle spielt

Landwirtschaftliche Erlöse sind häufig saisonal geprägt.

Eine Finanzierungsstruktur sollte diese Realität berücksichtigen.

Bei der über Deutsche Agrarfinanz vermittelten Betriebsmittelfinanzierung erfolgt die Tilgung des Darlehensbetrags zum Laufzeitende statt über laufende monatliche Tilgungsraten.

Dadurch wird die verfügbare Liquidität während der Produktionsphase nicht fortlaufend durch die Tilgung desDarlehensbetrags reduziert.

Für einen Betrieb, bei dem hohe Kosten früh im Produktionszyklus entstehen und größere Erlöse erst später erwartet werden, kann diese Struktur besser zum zeitlichen Verlauf des Geschäfts passen.

3. Liquidität kann beeinflussen, wann Erzeugnisse vermarktet werden

Das gleiche Prinzip gilt auf der Einnahmenseite.

Stellen Sie sich vor:

Die Ernte ist abgeschlossen und das Getreide liegt imLager.

Gleichzeitig werden Rechnungen fällig.

Ein sofortiger Verkauf schafft Liquidität.

Und genau das kann in diesem Moment die richtige unternehmerische Entscheidung sein.

Trotzdem lohnt es sich, zwei Beweggründe voneinander zu unterscheiden:

Verkaufen Sie, weil Sie die aktuelle Marktsituation für passend halten?

Oder:

Verkaufen Sie, weil der Betrieb das Geld unmittelbar benötigt?

Bei lagerfähigen Produkten kann ausreichende Liquidität den Druck reduzieren, allein aufgrund fälliger Zahlungenverkaufen zu müssen.

Das bedeutet nicht, dass später automatisch ein besserer Preis erzielt wird.

Märkte können sich in beide Richtungen entwickeln.

Auch Lagerung verursacht Kosten und bringt eigene Risiken mit sich. Lagerkapazitäten müssen vorhanden sein, die Qualität muss gesichert werden und Kapital bleibt weiterhin im Produkt gebunden.

Der Vorteil liegt deshalb nicht in einem garantierten höheren Verkaufspreis.

Er liegt darin, dass die Vermarktungsentscheidung anhand mehrerer betrieblicher und marktbezogener Faktorengetroffen werden kann und nicht allein durch einen akuten Liquiditätsbedarf bestimmt wird.

Der eigentliche Vorteil liegt damit in einem Stück unternehmerischer Unabhängigkeit: Sie behalten mehr Kontrolledarüber, wann Sie handeln, statt eine Entscheidung allein deshalb treffen zu müssen, weil kurzfristig Liquidität benötigt wird.

Liquidität schafft deshalb nur dort Flexibilität, wo die betriebliche Realität diese Flexibilität überhaupt zulässt.

Fremdkapital ist ein Werkzeug – kein Urteilüber einen Betrieb

Die Diskussion über Fremdkapital wird häufig zu schwarz-weiß geführt.

Entweder gilt eine Finanzierung als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche oder Fremdkapital wird als cleveres Instrument dargestellt, das möglichst jeder Betrieb einsetzen sollte.

Beides greift zu kurz.

Ein Betrieb kann profitabel seinund trotzdem vorübergehend zusätzliche Liquiditätbenötigen.

Er kann über erhebliches Eigenkapital verfügen und sich dennoch bewusst dagegen entscheiden, einen großen Teildavon in einem einzigen Produktionszyklus zu binden.

Zudem kann ein Betrieb bereits so hoch belastet sein, dasseine weitere Finanzierung das Problem nicht löst, sondern vergrößert.

Fremdkapital und unternehmerische Unabhängigkeit schließen sich deshalb nicht grundsätzlich aus. Entscheidend ist, wie die Finanzierung eingesetzt wird und ob sie zur finanziellen Situation des Betriebs passt.

Ein wirtschaftlich stabiler Betrieb kann Fremdkapital bewusst nutzen, um eigene Liquiditätsreserven zu erhalten und damit auch in einem laufenden Produktionszyklus handlungsfähig zu bleiben. Unabhängigkeit bedeutet dann nichtzwangsläufig, jede Ausgabe ausschließlich aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Sie kann auch darin liegen, bewusstzu entscheiden, wann eigenes Kapital eingesetzt und wann zusätzliche Liquidität genutzt wird.

Entscheidend ist das Zusammenspiel von Verwendungszweck, Zeitpunkt, Rückzahlung und Cashflow.


Genau deshalb sollte eine Maschine mit zehn Jahren Nutzungsdauer nicht automatisch nach denselben Kriterienfinanziert werden wie Dünger für die kommende Saison.

Und genau deshalb ist ein vorübergehender Liquiditätsbedarf nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass ein Betriebseine Finanzen nicht im Griff hat.

Der sinnvollere Grundsatz lautet:

Fremdkapital ist nicht automatisch ein Zeichen von Schwäche. Es kann zu einem sinnvollen Instrument der Betriebsführung werden, wenn die Finanzierungsstruktur zu einem konkreten Bedarf passt und der Betrieb diedaraus entstehenden Verpflichtungen nachhaltig tragen kann.

Gerade in der Landwirtschaft ist das relevant, weil betriebliche Entscheidungen selten darauf warten, bis der nächste Zahlungseingang erfolgt.

Liquidität entscheidet deshalb mit darüber, ob ein Betrieb in solchen Situationen nach den eigenen betrieblichen Prioritäten handeln kann.

Wie viel finanziellen Spielraum hat Ihr Betrieb für die kommende Saison?

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Die Struktur umfasst unter anderem:

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Fazit: Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet auch, Optionen zu haben

Für viele landwirtschaftliche Betriebe bedeutete Unabhängigkeit lange Zeit vor allem eines: möglichst wenigFremdkapital einzusetzen.

Unternehmerische Unabhängigkeit lässt sich aber auch anders verstehen.

Nämlich als die Möglichkeit, betriebliche Entscheidungen nicht allein vom Kontostand eines bestimmten Tagesabhängig machen zu müssen.

Entscheidend ist deshalb nicht, ob Fremdkapital in der Bilanz auftaucht.

Entscheidend ist, ob der Betrieb die Kontrolle über seine Entscheidungen behält und ob die Finanzierung einem klar definierten betrieblichen Zweck dient.

Genau hier verändert sich die Perspektive.

Eine Finanzierung sollte keine Abhängigkeit schaffen. Richtig eingesetzt kann sie dazu beitragen, unternehmerischen Handlungsspielraum zu erhalten.

Wenn Sie einschätzen möchten, ob eine solche Struktur zu Ihrem Betrieb und den anstehenden Betriebsausgabe  npassen könnte, können Sie Ihre Situation mit Deutsche Agrarfinanz besprechen oder eine digitale Finanzierungsanfrage stellen.

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[1] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Die wirtschaftliche Lage derlandwirtschaftlichen Betriebe, Buchführungsergebnisse der Testbetriebe, Wirtschaftsjahr 2024/25.

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